Aufstiegsstipendium – Interview mit Kathrin und Falk
Name: Kathrin Hoffmann
Alter: 30
Studiengang: Erziehungswissenschaften und Europäische Ethnologie (B.A.)
Semester: 4. Semester
Hochschule: Humboldt-Universität zu Berlin
Stiftung: Aufstiegsstipendium (SBB - Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung)
Name: Falk Young de Lacerda Tavares
Alter: 34
Studiengang: Humanoide Robotik (B.Eng.)
Semester: 6. Semester
Hochschule: Berliner Hochschule für Technik (BHT)
Stiftung: Aufstiegsstipendium (SBB - Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung)
Kathrin und Falk, ihr habt eine Ausbildung abgeschlossen und in diesem Beruf gearbeitet. Warum habt ihr euch entschlossen noch zu studieren?
Kathrin: Ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin abgeschlossen und dann 8 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. In dieser Zeit habe ich jede Gelegenheit genutzt, an Fort- und Weiterbildungen teilzunehmen, weil ich immer Lust hatte, Neues zu lernen. Ich habe mich dann entschlossen, Erziehungswissenschaften und Europäische Ethnologie zu studieren, weil ich mich weiterentwickeln und perspektivisch an der Aus- und Weiterbildung zukünftiger Fachkräfte beteiligen möchte.
Falk: Ich habe eine kaufmännische Ausbildung bei der Bundeswehr gemacht und anschließend die Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt, unter anderem mit den Vertiefungen Marketing, Statistik und Wirtschaftsinformatik. Danach habe ich rund acht Jahre in der Datenwelt gearbeitet, erst als Analyst, später als Data Engineer und Softwareentwickler. Fachlich war das spannend, aber irgendwann habe ich gemerkt, meinen Alltag mit Dashboards und Verkaufsprognosen zu füllen, war für mich nicht sinnstiftend. Schon als Kind war ich begeisterter Science Fiction und Robotik Fan und irgendwann hatte ich den Mut, dieser Leidenschaft zu folgen. Angefangen habe ich in Teilzeit: 30 Stunden im alten Job und parallel 20 ECTS an der Hochschule. Zwei Semester lang ging das. Zunehmend wurde jedoch klar, dass man Robotik nicht einfach mal so nebenher studiert; es ist ein hoch anspruchsvolles Studium, auf das man sich voll einlassen muss. Also stand die Entscheidung an: Studium oder Job. Das war ein harter Schritt. Meine Eltern sind beide Arbeiter:innen, und ich weiß sehr genau, dass man einen sicheren, gut bezahlten Job nicht gedankenlos aufgibt. Ich habe mich trotzdem fürs Studium entschieden und hatte das Glück, im Folgesemester nicht nur die Zusage des Stipendiums, sondern auch die Zusage für eine SHK-Stelle mit an das Studium angepasster Stundenzahl zu erhalten.
Wie habt ihr vom Aufstiegsstipendium erfahren? Warum habt ihr euch beworben?
Kathrin: Ich habe über eure Website vom Aufstiegsstipendium erfahren und dachte: Das passt ja perfekt! Ich fand die Vorstellung toll, mich wirklich auf das Studium konzentrieren zu können, ohne nebenbei viele Stunden in der Kita arbeiten zu müssen. Außerdem war ich sehr neugierig auf die SBB-Community und die Seminarangebote für Stipendiat:innen.
Falk: Meine Frau hat mich darauf aufmerksam gemacht und mich zur Bewerbung ermutigt. Ehrlich gesagt bin ich beim Wort "Begabtenförderung" zuerst mental ausgestiegen. Ich war überzeugt, dass ich dafür nie in Frage komme. Genau das ist rückblickend der Denkfehler, den wir heute als Stipendiumsbotschafter:innen oft hören: Viele Fachkräfte trauen sich die Bewerbung nicht zu, weil sie "Begabung" mit Abitur und Bestnoten gleichsetzen. Gemeint ist aber berufliche Leistungsfähigkeit. Zum Glück ist es bei mir anders gekommen, als ich dachte.
Wie werdet ihr durch das Aufstiegsstipendium gefördert?
Kathrin: Ich erhalte insgesamt 1072€ im Monat von der SBB. Das Geld wird steuerfrei und einkommensunabhängig ausgezahlt. Zudem werden viele Seminare zu verschiedenen Themen angeboten, an denen ich kostenlos teilnehmen darf. Die spannendsten für mich bisher waren eines zum Thema "Konflikte im Betrieb" und eines zum Thema "Demokratie und Freiheit". Außerdem gibt es zahlreiche Unternehmenseinblicke in alle möglichen Branchen, neulich war ich bei einem in der Beratungsstelle profamilia dabei, letztes Jahr beim Bundesnachrichtendienst. Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, sich untereinander zu vernetzen, beispielsweise über das StipNet oder bei den regelmäßig stattfindenden Regionalgruppentreffen.
Falk: Wie Kathrin schon sagte: 1072€ monatlich plus die ideelle Förderung. Mein persönliches Highlight war der Unternehmenseinblick beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der ESA in Köln. Wir durften u.a. die LUNA-Halle betreten, in der Mondeinsätze erprobt werden. Das eigentliche Highlight ist aber auf jeder Veranstaltung der Austausch mit den anderen Stipendiat:innen. Man merkt schnell, dass man es mit Menschen zu tun hat, die Berufserfahrung gesammelt und sich dann bewusst für mehr entschieden haben; und die den Mut hatten, diesen Weg auch umzusetzen. Außerdem fördert das Stipendium eigene Initiativen: Ich organisiere inzwischen selbst Unternehmenseinblicke bei Robotikunternehmen im DACH-Raum, was die sbb beispielsweise mit der Fahrtkostenübernahme für die Teilnehmer:innen unterstützt.
Ihr hattet bereits das Studium begonnen, da lief noch der Auswahlprozess der Stiftung. Gab es einen Plan B für eure Studienfinanzierung, wenn es mit dem Stipendium nicht geklappt hätte?
Kathrin: Ich hätte auf jeden Fall studiert, dann aber nebenbei sehr viel mehr arbeiten müssen, als ich es jetzt tue. Das hätte bedeutet, dass ich deutlich länger für das Studium gebraucht hätte und mich vermutlich auch nicht so sehr in der Tiefe mit den Themen hätte befassen können, die ich spannend finde.
Falk: Das Studium stand fest, egal was passiert; da war ich sehr entschlossen. Ohne die Förderung hätte ich aber parallel im alten Job weiterarbeiten müssen. Das hätte zweierlei bedeutet: Ich hätte deutlich länger fürs Studium gebraucht und ich hätte meine Stelle in der Forschung nicht annehmen können. Die liefert mir extrem wertvolle Erfahrung, ist aber nicht besonders gut bezahlt. Auch Praktika wären kaum umsetzbar gewesen. Insofern hat das Stipendium nicht nur mein Studium finanziert, sondern überhaupt erst den Weg eröffnet, den ich jetzt gehe. Dafür bin ich sehr dankbar.
Welche Erwartungen hat die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung an euch?
Beide: Eigentlich nur eine: dass wir wirklich studieren. Wir müssen nach Abschluss jedes Semesters nachweisen, dass wir Kurse belegt und Prüfungen abgelegt haben, wobei allerdings keine sehr guten Noten vorausgesetzt werden. Sowohl die Teilnahme an der ideellen Förderung als auch die Übernahme von Ehrenämtern sind komplett freiwillig.
Welche Ziele verfolgt die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung mit dem Aufstiegsstipendium?
Beide: Die SBB möchte engagierten Fachkräften, die sie gern berufliche Talente nennt, ermöglichen, ein erstes Studium zu absolvieren. Sie versteht sich als Chancengeberin.
Welche Voraussetzungen müssen Bewerberinnen und Bewerber für das Stipendium erfüllen?
Beide: Bewerber:innen müssen eine Ausbildung absolviert sowie mindestens zwei Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Außerdem müssen sie nachweisen, dass sie beruflich besonders leistungsfähig sind. Das geht entweder über eine sehr gute Abschlussnote in der Berufsausbildung bzw. Aufstiegsfortbildung oder über einen begründeten Arbeitgebervorschlag. Eine weitere Möglichkeit ist eine besonders gute Platzierung bei einem überregionalen beruflichen Leistungswettbewerb.
Wie sah dein Auswahlverfahren aus?
Beide: Zunächst bewirbst du dich online und gibst sozusagen die hard facts an: Deine Ausbildungsnote, die Dauer deiner Berufserfahrung, deine Hochschulzugangsberechtigung etc. Diese Dinge werden dann geprüft und wenn alles den Anforderungen entspricht, musst du Nachweise darüber, also zum Beispiel beglaubigte Kopien, an die SBB senden.
Im zweiten Schritt wird dir ein Link zugeschickt, über den du zum sogenannten Kompetenz-Check kommst. Das ist ein Fragebogen, in dem es um deine Motivation und Ähnliches geht. Der Fragebogen wird dann von einem Expertenteam ausgewertet. Wenn du auch im Kompetenz-Check überzeugt hast, wirst du zu einem Auswahlgespräch eingeladen. Hier sprichst du circa eine Stunde lang mit zwei Juror:innen auf der Grundlage deines Kompetenzchecks. Dann heißt es warten - bis hoffentlich der große Brief in deinem Briefkasten landet.
Wann sollten sich Studieninteressierte bewerben und was macht eine erfolgreiche Bewerbung für das Aufstiegsstipendium aus?
Beide: So früh wie möglich! Es ist eine Anwartschaft von bis zu einem Jahr möglich, das heißt, du musst nach deiner Aufnahme in das Stipendienprogramm innerhalb von einem Jahr anfangen zu studieren. Eine Bewerbung ist bis zum Ende des zweiten Fachsemesters möglich.
Kathrin: Eine erfolgreiche Bewerbung macht meiner Erfahrung nach aus, dass du ehrlich und authentisch bist. Niemand ist perfekt, und es ist besser zu eigenen Schwachstellen zu stehen und an ihnen zu arbeiten, als sich zu verstellen. Ich zum Beispiel hatte bis zu meiner Bewerbung noch nie ein Ehrenamt ausgeführt. Das hat mich dann selbst geärgert, sodass ich im Zeitraum zwischen meiner Bewerbung und meinem Auswahlgespräch verschiedene Ehrenämter recherchiert und mich als Wahlhelferin engagiert habe. Diesen Prozess habe ich im Auswahlgespräch reflektiert, und ich glaube, dass meine Juror:innen diese Selbstreflexion an mir geschätzt haben.
Warum sollten sich Berufstätige für dieses Stipendium bewerben?
Beide: Weil es eine tolle Chance ist! Nicht nur wird dir ein Studium durch die finanzielle Förderung immens erleichtert, du lernst auch viele interessante und engagierte Menschen kennen und kannst dich durch die Teilnahme an der ideellen Förderung weiterentwickeln.
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