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Studienstiftung des deutschen Volkes – Interview mit Angelina

16. September 2026

Name: Angela Weber
Alter: 24 Jahre
Studiengang: Digitalisierung und Prozessoptimierung und Management 
Semester: 7. Mastersemester
Universität: Hochschule für angewandte Wissenschaften Landshut

Förderungswerk: Studienstiftung des deutschen Volkes
(Die Studienstiftung ist politisch, konfessionell und weltanschaulich neutral.)

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich bei der Studienstiftung des deutschen Volkes zu bewerben?

Auf die Idee bin ich tatsächlich nicht selbst gekommen. Ich wurde in meinem vierten Semester aufgrund meiner Studienleistungen von der Prüfungskommission meiner Hochschule für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen. Erst dadurch habe ich mich intensiver mit der Studienstiftung und den Fördermöglichkeiten beschäftigt.

Nach dem Vorschlag wurde ich von der Studienstiftung zur Bewerbung aufgefordert und konnte meine Unterlagen einreichen. Nach der Sichtung und Prüfung meiner Bewerbung wurde ich schließlich zum Auswahlseminar eingeladen. Rückblickend bin ich sehr froh darüber, dass meine Hochschule mich auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht hat, weil ich mich sonst wahrscheinlich gar nicht selbst beworben hätte.

Wie verlief dein Auswahlverfahren bei der Studienstiftung? Gab es Herausforderungen?

Mein Auswahlseminar fand von Freitagabend bis Sonntagmittag in Starnberg statt. Am Freitag gab es zunächst ein Get-together, Informationen zum Ablauf und ein gemeinsames Abendessen. Dadurch konnte man die anderen Bewerber:innen schon etwas kennenlernen und die erste Nervosität etwas ablegen.

Über das Wochenende verteilt hatte ich zwei voneinander unabhängige Einzelgespräche mit unterschiedlichen Mitgliedern der Auswahlkommission, jeweils eines am Samstag und eines am Sonntag. Die Gespräche dauerten ungefähr 30 Minuten und drehten sich um meinen bisherigen Werdegang, mein Studium, meine Motivation, mein Engagement und verschiedene gesellschaftliche Themen.

Zusätzlich war ich mit vier anderen Bewerber:innen in einer Gruppe. Jede Person hielt einmal einen etwa siebenminütigen Vortrag zu einem selbst gewählten kontroversen Thema und moderierte anschließend für ungefähr 13 Minuten die Diskussion dazu. Insgesamt hatten wir dadurch fünf verschiedene Gruppenrunden.

Mein eigenes Thema beschäftigte sich mit der Frage, wie sich Freiwilligkeit und gesellschaftliche Pflicht miteinander verbinden lassen. Konkret ging es darum, ob beispielsweise ein verpflichtender Gesellschaftsdienst denkbar wäre, bei dem man selbst wählen kann, ob man diesen im sozialen oder militärischen Bereich absolviert. Mich hat dabei vor allem interessiert, ob eine Wahlmöglichkeit einen sinnvollen Mittelweg zwischen einem vollständig freiwilligen Dienst und einer klassischen Dienstpflicht darstellen könnte.

Die größte Herausforderung war für mich tatsächlich zunächst die Überwindung, überhaupt hinzufahren. Ich hatte vorher große Zweifel daran, ob ich bei einem solchen Auswahlverfahren wirklich eine Chance habe. Eines meiner Einzelgespräche war außerdem sehr anspruchsvoll. Fast alles, was ich gesagt habe, wurde noch einmal hinterfragt und ich musste meine Aussagen und Positionen immer weiter begründen. Das war in dem Moment schon stressig und hat mich ziemlich gefordert. Rückblickend war aber genau das auch eine interessante Erfahrung, weil ich gemerkt habe, dass es nicht darum geht, immer sofort die "richtige" Antwort zu haben, sondern sich mit den eigenen Aussagen wirklich auseinanderzusetzen.

Wie wirst du durch dein Stipendium gefördert?

Für mich besteht die Förderung aus deutlich mehr als nur einer finanziellen Unterstützung. Besonders wichtig finde ich die ideelle Förderung und die Möglichkeit, mit Stipendiat:innen aus ganz unterschiedlichen Studienrichtungen und mit unterschiedlichen Lebenswegen in Kontakt zu kommen.

Ich habe beispielsweise bereits an den Willkommenstagen in Nürnberg teilgenommen, die sich über ein ganzes Wochenende erstreckt haben. Dort konnte ich viele andere Geförderte kennenlernen und einen ersten Eindruck davon bekommen, welche Möglichkeiten die Studienstiftung bietet. Darüber hinaus gibt es Ansprechpartner:innen in den jeweiligen Regionen, Vertrauensdozent:innen sowie zahlreiche Veranstaltungen, Akademien, Seminare und weitere Förderangebote.

Bei mir ist die finanzielle Förderung aktuell bei der Grundförderung von 300€ monatlich, da ich parallel am dualen Modell ICS e.V. teilnehme und darüber bereits eine Form der finanziellen Förderung beziehungsweise Vergütung erhalte. Deshalb ist für mich momentan besonders die ideelle Förderung, der Austausch und das Netzwerk der Studienstiftung wertvoll.

Welche Erwartungen stellt die Studienstiftung an dich als Stipendiatin?

Für mich lassen sich die Erwartungen sehr gut mit den drei Begriffen zusammenfassen, die auch im Leitbild der Studienstiftung eine wichtige Rolle spielen: Leistung, Initiative und Verantwortung. Natürlich wird erwartet, dass man sein Studium weiterhin engagiert verfolgt und gute Leistungen erbringt. Gleichzeitig geht es aber nicht nur um Noten. Man soll Eigeninitiative zeigen, sich über das eigene Fach hinaus interessieren, Verantwortung übernehmen und sich mit gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen.

Was ich dabei besonders wichtig finde, ist die Offenheit gegenüber unterschiedlichen Meinungen. Man soll eine eigene Position entwickeln und diese auch begründen können, gleichzeitig aber bereit sein, andere Perspektiven ernst zu nehmen und die eigene Meinung zu hinterfragen. Gerade beim Auswahlseminar habe ich sehr stark erlebt, dass konstruktive und auch kontroverse Diskussionen ausdrücklich erwünscht sind.

Für mich fühlen sich diese Erwartungen deshalb weniger wie feste Auflagen an, sondern eher wie ein Anstoß, die Möglichkeiten, die man durch die Förderung bekommt, auch wirklich zu nutzen und sich persönlich weiterzuentwickeln.

Was bedeutet es für dich, Stipendiatin zu sein?

Als ich die Zusage bekommen habe, war ich unglaublich stolz, überrascht, glücklich und vor allem erleichtert. Ich hatte vorher wirklich nicht damit gerechnet, dass ich tatsächlich aufgenommen werde.

Dabei hatte mir schon das Auswahlwochenende selbst sehr viel Spaß gemacht. Ich habe interessante Menschen kennengelernt, spannende Diskussionen geführt und auch einiges über mich selbst gelernt. Deshalb hätte ich auch ohne eine anschließende Aufnahme gesagt, dass sich diese Erfahrung für mich gelohnt hat. Dass danach tatsächlich die Zusage kam, hat mich dann umso mehr gefreut und ehrlich gesagt ziemlich überwältigt.

Für mich persönlich bedeutet die Aufnahme außerdem sehr viel, weil ich die Erste in meiner Familie bin, die studiert. Viele Möglichkeiten im Hochschulsystem waren für mich deshalb nicht von Anfang an selbstverständlich oder überhaupt bekannt. Dass ich heute von der Studienstiftung gefördert werde, empfinde ich daher als große Anerkennung meines bisherigen Weges, aber gleichzeitig auch als Chance, mich weiterzuentwickeln und Möglichkeiten wahrzunehmen, die ich vorher vielleicht gar nicht gekannt hätte.

Es wird von den Bewerber:innen gesellschaftliches Engagement verlangt. Wie engagierst du dich?

Mein Engagement zeigt sich bei mir vor allem darin, dass ich Verantwortung für andere übernehme und versuche, Wissen weiterzugeben. Ich gebe beispielsweise Nachhilfe und unterstütze andere beim Lernen und bei schulischen oder fachlichen Schwierigkeiten.

Darüber hinaus übernehme ich auch innerhalb meiner Familie viel Verantwortung. Gerade weil ich selbst als Erste in meiner Familie studiere, habe ich gemerkt, wie wichtig es sein kann, Menschen im Umfeld zu haben, die unterstützen, Wissen weitergeben oder einem einfach zutrauen, bestimmte Wege zu gehen.

Für mich muss gesellschaftliches Engagement deshalb nicht zwingend bedeuten, eine bestimmte Position in einem Verein zu haben. Es kann sich auch darin zeigen, Verantwortung für andere zu übernehmen, die eigenen Fähigkeiten weiterzugeben und Menschen im persönlichen Umfeld zu unterstützen.

Was würdest du potenziellen Bewerber:innen für die Bewerbung raten?

Mein wichtigster Rat wäre: Sortiert euch nicht selbst aus.

Ich habe vor dem Auswahlseminar selbst gedacht, dass ich wahrscheinlich keine wirkliche Chance habe. Wenn man hört, dass man zu einem Auswahlverfahren der Studienstiftung eingeladen wird, stellt man sich schnell vor, dass dort nur Menschen sitzen, die in jedem Bereich perfekt sind. Meine Erfahrung war aber eine andere.

Natürlich trifft man dort auf sehr leistungsstarke und interessierte Menschen, aber es geht nicht darum, die perfekte Antwort auf jede Frage zu haben oder eine bestimmte Rolle zu spielen. Ich würde deshalb auch nicht versuchen, die vermeintlich "perfekte" Version von sich selbst darzustellen. Viel wichtiger ist es, authentisch zu sein, erklären zu können, warum man bestimmte Entscheidungen getroffen hat, die eigene Meinung begründen zu können und gleichzeitig offen für andere Perspektiven zu bleiben.

Und vor allem sollte man nicht selbst entscheiden, dass man "nicht gut genug" ist. Genau dafür gibt es schließlich das Auswahlverfahren. Selbst wenn es am Ende nicht mit der Förderung klappt, kann allein das Auswahlwochenende eine sehr wertvolle Erfahrung sein.

Möchtest du Schüler:innen und Studierenden, die als Erste in ihrer Familie studieren oder studieren wollen, noch etwas mit auf den Weg geben?

Gerade wenn man als Erste oder Erster in der Familie studiert, kennt man viele Möglichkeiten zunächst einfach nicht. Man hat vielleicht niemanden zu Hause, der einem erklären kann, wie das Hochschulsystem funktioniert, welche Förderprogramme oder Stipendien es gibt oder an wen man sich mit bestimmten Fragen wenden kann.

Deshalb würde ich empfehlen, aktiv nachzufragen, Beratungsangebote zu nutzen und sich Unterstützung zu suchen. Man sollte nicht darauf warten, dass einem jede Möglichkeit automatisch gezeigt wird.

Und vor allem sollte man sich auch für Dinge bewerben, bei denen man zunächst denkt: "Dafür bin ich bestimmt nicht gut genug" oder "Das ist wahrscheinlich eher etwas für andere." Ich hätte zu Beginn meines Studiums selbst nicht gedacht, dass ich einmal Stipendiatin der Studienstiftung sein würde.

Deshalb würde ich anderen Erstakademiker:innen vor allem mitgeben: Setzt euch nicht selbst Grenzen, bevor überhaupt jemand anderes entschieden hat, ob euch eine Tür offensteht. Manchmal entstehen gerade aus den Möglichkeiten, bei denen man zunächst am meisten an sich zweifelt, die spannendsten Wege.

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